Bericht in der Wittener Lokal-Presse

Wir waren mal wieder in der Zeitung! So richtig mit Fotos und viel Text! Hier kommt der Artikel aus „Witten aktuell“ vom 01.06.2002.


Bewegung ist fast zu schnell fürs Auge
Kendo: Ein alter Sport gewinnt immer mehr Freunde
(ib) Völlig vermummt und lauernd stehen sich die Kontrahenten gegenüber, fast unbeweglich. Dann eine Bewegung, fast zu schnell fürs Auge, es kracht – und Treffer. Was sich hier so martialisch anhört, ist eigentlich nur eine Trockenübung für den Schwertkampf, auch bekannt unter dem Namen Kendo
Dieser Kampfsport ist die Welt von Sigrun Caspary. Seit 1997 existiert eine Kendo-Gruppe in Witten, zunächst nur an der Universität, ein Jahr später wurde daraus eine Abteilung des DJK TuS Ruhrtal. Seit dieser Zeit trainiert die Sportlerin mit ihren Schützlingen regelmäßig die alte japanische Kampfkunst.
Erschöpft streifen sich die Kämpfer die schweren Masken, Men genannt, ab, auch permanente Konzentration bringt einen ins Schwitzen. „Darin liegt der eigentlich Sinn des Kendo: im Kampf dem Gegner durch Konzentration keine Angriffsfläche bieten. Optimal wäre es, wenn es erst gar nicht zum Kampf kommt, den Gegner so beeindrucken, dass er keine Chance zum Angriff sieht.“ Denn ursprünglich wurde auch der Trainingskampf mit scharfen Waffen geführt, kleine Fehler hatten da schlimme Verletzungen zur Folge. geändert hat sich bis heute nur das Ken, eine Schwertattrappe aus Bambus oder Kohlefasern, die etwas über einen Meter lang ist. Der Schutzanzug, der vor allem die Trefferfkächen an Kopf, Handgelenk, Brust und Kehle abdeckt, wird nach traditionellen japanischen Methoden gefertigt – aus Bambus, Baumwolle und Leder. Handarbeit, die so solide ist, dass sie auch masiven Schlägen widersteht. Nur das Gitter vor dem Gesicht, das in den Kopfschutz eingearbeitet ist, wird heute aus Sicherheitsgründen aus Titan gefertigt. „Doch am Anfang braucht man keine Rüstung, denn erst, wenn die Grundübungen sitzen, die man auch als Meister des Sports immer wieder übt, wird ein Schutz notwendig“, erklärt Sigrun Caspary. „Wir unterteilen die Übungsgruppe auch in Rüstungsträger und Nichtrüstungsträger.“ Wie bei jedem Sport wird am Beginn der Übung aufgewärmt, gestreckt und gedehnt. Die Kommandos spricht man in Japanisch, die Übersetzung der Worte ist oft gar nicht möglich.


Schreien ist Programm
Erfahrung bringt hier auch Punkte ein
Gemeinsam mit ihren Schützlingen übt Sigrun Caspary die Grundhaltung, erst später sucht man sich einen Partner, mit dem man bestimmte Angriffs- oder Abwehrpositionen übt. Die Schreie gehören übrigens zum festen Trainingsprogramm, sie sollen die eigene Kraft stärken und den Gegner beeindrucken. Die für den Laien monoton wirkenden Übungen sind wichtig, um die optimale Bewegung zu finden. Und das Finden der richtigen Technik macht den Sport auch zeitlos, das bedeutet, dass Alter nicht unbedingt eine Rolle spielt. „Da steht man einem Gegner gegenüber, der vielleicht dreissig Jahre älter ist als man selbst, und man hat einfach keine Chance, einen Treffer anzubringen, denn seine Erfahrung ist größer“, sagt Sigrun Caspary. „Das kann einen schon in die Verzweiflung treiben.“ Denn ein Schlag wird nicht irgendwie angebracht, sondern erfolgt nach festgeschriebenen Regeln, und nur wer den kürzesten Weg zum Körper des Gegners kennt, kann gewinnen.
In der noch sehr kleinen Gemeinde der Kendoka geht es sehr familiär zu, man trainiert vereinsübergreifend und veranstaltet auch mal kleine Vergleichswettbewerbe. „Ungefähr zweitausend Menschen haben sich bei uns für diesen Sport entschieden“, erklärt Sigrun Caspary, die 1996 selbst Deutsche Meisterin wurde. Im übrigen Europa hat Kendo schon eine starke Anhängerschaft, wie etwa in Frankreich. Und das hat wohl auch damit zu tun, dass hier eben nicht nur Sport gemacht wird, sondern auch eine Kultur gelebt wird. „Wir pflegen einen großen Respekt gegenüber dem Gegner und dem Schwert, es ist immerhin eine Waffe,“ meint Sigrun Caspary. Während andere Sportler nach dem Training einfach in der Kabine verschwinden, beginnt und endet jedes Training der Kendokas auf die gleiche Weise – mit einer tiefen Verbeugung.

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