2. Vorab-Artikel in „derwesten.de“ zur Deutschen Meisterschaft im Kendo in Witten

Respekt und laute Schreie – Japanischer Konsul eröffnet Turnier 
Witten, 18.04.2008, Von Felix Guth

Rund 120 Teilnehmer in der Husemannhalle mit dabei. Japanischer Schwertkampf immer beliebter.Verbeugung, Rüstung, Technik – Kendo bewahrt alte Traditionen

KENDO DEUTSCHE MEISTERSCHAFT IN WITTENWitten. Die Ruhrstadt hat ein Herz für Exoten. Dazu zählen auch die Kendo-Sportler, die am heutigen Samstag (ab 11 Uhr) in der Husemannhalle die Deutsche Meisterschaft im Einzel austragen.

Die Mehrzahl der Sportler ist bereits in Witten, die Kampfflächen sind aufgebaut. In der Husemannhalle sprechen heute die Schwerter. Denn im Mittelpunkt der Kendo-Meisterschaften steht das Duell mit Bambusschwert und schwerer Rüstung – ganz in der Tradition dieser jahrhundertealten japanischen Kampfsportart.

„Kendo muss man selbst sehen. Es theoretisch darzustellen, ist schwierig“, sagt Sigrun Caspary, einzige DM-Teilnehmerin von Ausrichter DJK TuS Ruhrtal. Denn was im Grundsatz klar wirkt – eins gegen eins, wer zuerst zwei Treffer hat gewinnt – ist in der Praxis häufig kompliziert. Ein Punkt hängt von vielen Faktoren ab – inklusive des lauten Schreis, der zu jedem gelungenen Schlag dazu gehört.

Auffälligster Bestandteil eines Kendo-Wettkampfs ist wohl die Rüstung („Bogu“). Sie besteht aus Kopfschutz („Men“), dem Schutz für Hände und Unterarme („Kote“), einem Rumpfschutz („Do“) und dem Lendenschutz („Tare“). Ziel ist es, mit dem Schwert („Shinai“) eine der vier festgelegten Trefferzonen (Kopf, Unterarme, Rumpf oder Kehle) zu treffen.

„Aber diese Sportart ist mehr als nur Sieg oder Niederlage“, meint Caspary. Es gehe um gegenseitigen Respekt, was sich schon in der Verbeugung vor jedem Kampf, auch im Training, zeige. „Man muss den anderen achten.“

Zudem weist sie auf ein ungewöhnliches Merkmal hin. „Die älteren Sportler sind besser.“ Was ihnen an Beweglichkeit fehle, könnten sie durch Ruhe und gute Technik wieder ausgleichen. Die japanischen Top-Kämpfer sind daher häufig 60 Jahre und älter.

In Deutschland lässt sich die Kendo-Szene mit rund 4000 Mitgliedern noch gut überblicken. Doch aus der geringen Größe machen die Aktiven dieser Budo-Sportart eine Tugend. „Wer einen Kendo-Pass hat, kann überall mittrainieren“, erklärt Caspary. So kommt es, dass derzeit Nationalmannschaftsathletin Wiebke Röhrbein, mit dem Team zuletzt Vize-Europameisterin, zurzeit beim TuS Ruhrtal ihre Fertigkeit mit dem Bambusschwert erprobt.

Sigrun Caspary, die Kendo bei einem Japan-Aufenthalt vor zehn Jahren entdeckte, berichtet jedoch von einem wachsenden Kreis an Sportlern. „Es kommen vor allem viele Jugendliche.“ Dies führt sie auf den Einfluss der Manga-Comics zurück, in denen Figuren mit Schwertkampf-Fähigkeiten auftauchen. Viele Aktive wechseln zudem aus anderen Budo-Sportarten zum Kendo. „Wir haben ehemalige Judoka oder Karateka mit dabei“, sagt Caspary. Die Ruhrtaler Kendo-Abteilung hat rund 50 Mitglieder.Die Deutsche Einzelmeisterschaft in der Husemannhalle mit rund 120 Teilnehmern wird um 11 Uhr offiziell vom japanischen Generalkonsul Shin Maduo und Wittens Oberbürgermeisterin Sonja Leidemann eröffnet. Die Wettkämpfe der Frauen beginnen um 11.30 Uhr. Die männlichen Kendo-Kämpfer tragen ab 14 Uhr ihre Meisterschaften aus. Die Siegerehrung ist für 18 Uhr geplant.

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