Artikel in „derwesten.de“ zur Deutschen Meisterschaft im Kendo in Witten

Kendo-DM in Witten
Fernöstliches Flair 
Witten, 21.04.2008, Redaktion

Es ist immer wieder beeindruckend, wie wandelbar die sonst schmucklose Husemannhalle ist. Am vergangenen Samstag strahlte sie echtes Samurai-Flair aus.

Die Deutschen Einzelmeisterschaft im Kendo waren zu Gast in Witten. Fernöstlicher Schwerkampf paarte sich mit Technik und Athletik. Und über allem schwebte dieser spezielle Geist, der solch „fremden” Sportarten zu eigen ist. Der erste Eindruck, den das ungeübte Auge von Kendo gewinnt, ist ein ungewöhnlicher – sagen selbst die Sportler. Die Gesichter und Körper der Kämpfer verschwinden hinter einer mehrteiligen Rüstung. In dem langen blauen Gewand mit Kopf- und Halsschutz und dem Gitter vor Augen sehen sie alle gleich aus. Ihr einziges Erkennungszeichen ist der Schrei. Wenn die beiden Duellanten ihre Laute ausstoßen, klingt es mitunter, als würden sie sich gerade mit echten Schwertern Körperteile abtrennen. Dabei hat der Schrei einen ganz praktischen Hintergrund. „Er wird von der Jugend an trainiert, um die Luft auszustoßen. Die Energie ist in diesem Moment am höchsten”, erklärt Wladislaus Demski, Ehrenpräsident des Deutschen Kendo-Bundes (DkenB). Zugleich nehme der Schrei dem Kämpfer die Angst vor einem Treffer des Gegners.

Dr. Sigrun Caspary, einzige Teilnehmerin aus Witten, schied in der zweiten Runde aus. (Foto: WAZ, Klick auf das Bild: Original-Artikel)
 

Energie und Spannung sind die wesentlichen Elemente des Kendo. Mit großer Kraft platzieren die barfüßigen Kämpfer ihre Schläge, alles unter den Augen von drei erfahrenen Kampfrichtern. Jeder Hieb wird von einem festen Aufstampfen mit dem Fuß begleitet. „Das bringt die meiste Kraft”, sagt Demski. Ist das Duell beendet, merken die Sportler häufig erst, was sie da gerade hinter sich gebracht haben. „Es kommt vor, dass man wahnsinnig erschöpft ist, obwohl man sich gar nicht so viel bewegt hat”, sagt der DKenB-Ehrenpräsident, der als Mittsiebziger immer noch selbst kämpft. Der Schwertkampf ähnelt dem europäischen Fechtsport. Gerade auf dem deutschen Spitzenniveau wie am Samstag in der Husemannhalle sind durchaus spannende Duell zu beobachten. Das robuste Bambusschwert in beiden Händen belauern sich die besten Athleten der Republik, um dann präzise Treffer zu setzen. Denn nur, wenn zwei der drei Kampfrichter die Fahne heben, zählt der Punkt. „Dabei geht es um Körperhaltung und die Schärfe des Schlages”, sagt Demski. Unter den schweren Rüstungen verbergen sich viele junge Gesichter, aber auch manches graue Haar ist zu erblicken. Viele sind schon seit Jahren mit dabei. Insgesamt macht die von der DJK TuS Ruhrtal und dem nordrhein-westfälischen Landesverband organisierten „Deutsche” den Eindruck: Die Kendo-Szene kennt sich. Rund um die Veranstaltung sind Stände mit Zubehör aufgebaut, die Sportler nehmen die Meisterschaften stets zum Anlass, sich auszutauschen. Trotz ständig wachsender Mitgliederzahlen ist die Kendo-Szene noch recht überschaubar. Dabei bietet Kendo für Wladislaus Demski gleich zweierlei Möglichkeiten zur sportlichen Befriedigung. „Es kann Kampfsport oder lebensbegleitende Übung sein.”

Weitere Fotos der WAZ sind im folgenden Link zu finden: [WAZ-LINK]